Geb.: 1898 in Nürnberg
Fachgebiet: Allgemeinmedizin, Gynäkologie
Alija: 1934

Justin Weinschenk wurde am 4. April 1898 geboren. Die Familie ist seit dem 17. Jahrhundert im Fränkischen ansässig. Nach der Schulausbildung diente er als Soldat im Ersten Weltkrieg an der Westfront, wo er schwer verwundet wurde. Nach dem Krieg nahm er ein Medizinstudium in München auf und ließ sich 1925 als Arzt für Allgemeinmedizin in Nürnberg nieder. Seine Praxis bestand bis 1934. Weinschenk erkannte frühzeitig die Zeichen der Zeit, nachdem er Hitlers „Mein Kampf“ gelesen hatte und verstand, dass es in Deutschland für ihn keine Zukunft mehr gäbe. Als Tourist brach er 1933 zu einer Informationsreise nach Palästina auf. Ein Jahr später emigrierte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Jerusalem, wo sie zunächst in einer Pension von Jeckes unterkamen.

Über seine ersten Erfahrung in der neuen Heimat berichtete er im Oktober 1934 in einem Brief an den orthodoxen Nürnberger Rabbiner Arnold Klein: „Da meine Frau und ich über die hiesigen Verhältnisse persönliche Erfahrungen hatten, kamen wir auch gleich in die Vorzüge des hiesigen Lebens. Die Freiheit der Lebensführung, die Unbekümmertheit der Kinder und das Leben in der jüdischen Gemeinschaft sind befriedigende Äquivalente für die Schwierigkeiten des Neuaufbaues der Existenz.“ Getreu seiner Überzeugung, die Einwanderer sollten Krawatte und Jackett am Hafen ablegen, denn „ein im Aufbau begriffenes Kolonialland [schätze] die bäuerliche und handwerkliche Erfahrungen höher ein als die Konzeption wissenschaftlicher Erkenntnisse“ kaufte er bald in Herzlija ein Haus mit Obstplantage und Hühnerstall. „Ob ich dort Arzt oder Siedler sein werde, soll die Entwicklung der nächsten Monate entscheiden“, schrieb Weinschenk. „Auf jeden Fall freuen wir uns auf das eigene Heim.“ Mitglieder der Hagana und der Ratsversammlung von Herzlija drängten darauf, dass Weinschenk sich von der Mandatsregierung eine Zulassung als Mediziner erteilen lasse, die er noch im selben Jahr erhielt und daraufhin im seinem Privathaus auch eine Praxis einrichtete. Die Krankenbesuche erledigte er in den ersten Jahren mit seinem Pontiac, der in der Gegend eine kleine Sensation war. Später verkaufte er das Auto und fuhr ausschließlich mit dem Fahrrad.

Weinschenk wurde Mitglied der Hagana und war als Notfallarzt für die Gemeinden Rishpon, Schefajim und dem heutigen Ga’asch tätig. Er gehörte zu den Gründern des „Magen-David-Adom“ und war Mitbegründer des Sanitätskorps in der Armee. Während des Zweiten Weltkriegs half er illegalen Einwanderern, die an der Küste vor Herzlija an Land gingen und beherbergte diese oft einige Tage zuhause. Später richtete Weinschenk in seiner Praxis auch eine kleine Entbindungsstation ein, wo Dutzende Kinder geboren wurden.

Weinsteins Frau Anni war gelernte Kindergärtnerin, blieb jedoch zuhause und kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder. Daneben engagierte sie sich in einem Hilfsverein für Blinde. Justin Weinschenk starb 1969 in Herzlija, Anni verstarb 1998 im Alter von 94.

Die Söhne Israel und Joel Weinschenk gingen unterschiedliche Wege. Während Joel ebenfalls Arzt wurde und sich in Javneel in der Nähe des See Genezareths niederließ und dort, gemeinsam mit seiner Frau, die auch Ärztin ist, arbeitete, widmete sich Israel der Landwirtschaft. Gemeinsam mit seiner Frau Rachel, der Tochter von Dr. Joachim Caspari, gehörte er zu den Gründern des Kibbuz Palmachim.

Fotos/Repros: Familie Weinschenk

Quellen:
Israel Weinschenk: Erinnerungen auf der Webseite des pädagogischen Portals der Stadt Herzlija, http://portal.herzliya.k12.il (hebr.)
Joel Weinschenk: Erinnerungen auf der Webseite des pädagogischen Portals der Stadt Herzlija, http://portal.herzliya.k12.il (hebr.)
Schreiben Justin Weinschenk an Rabbiner Arnold Klein, 24. Oktober 1934, Stadtarchiv Nürnberg
Gerhard Jochem, Mitten in Nürnberg, Jüdische Firmen, Freiberufler und Institutionen am Vorabend des Nationalsozialismus, Nürnberg 1998.