Geb.: 1873 in Crone an der Brahe (Posen)
Fachgebiet: Allgemeinmedizin
Alija: 1939

Max Frankenstein wurde am 22. Mai 1873 in der Kleinstadt Crone an der Brahe in der Nähe von Bromberg, Posen geboren. Sein Vater Louis war Lehrer und Leiter der jüdischen Schule vor Ort. Max wuchs in einem weitgehend assimilierten Elternhaus auf. Nach dem Abitur immatrikulierte er sich in Berlin für das Medizin-Studium und promovierte 1896 „Über Arbeitsparesen an den unteren Extremitäten“.

Max Frankenstein (ganz rechts im Bild) beim Examen rigorosum zum Dr. med. am 24. Juli 1896 an der medizinischen Fakultät der Königl. Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin.

Drei Jahre später richtete Max Frankenstein seine Wohnung und kassenärztlich Praxis in Berlin-Schöneberg, Kolonnenstraße 12/13 ein. 1905 heiratete er Paula Reissner. Das Paar hatte zwei Kinder, Alfred, geb. 1906 und Edith, geb. 1910.

Max Frankenstein war ein überzeugter deutscher Patriot, der sich seinem Land verpflichtet sah und dem gehobenen Bürgertum angehörte. Im Ersten Weltkrieg diente er als Arzt an der Front und erhielt für seinen Einsatz das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Niemals hätte er sich träumen lassen, Deutschland zu verlassen. Die Aktivitäten seiner Schwester in der zionistischen Bewegung kommentierte Frankenstein mit großer Skepsis, sie sei das Schwarze Schaf der Familie, meinte er. Betty Frankenstein war technische Leiterin des „Zentralbüros der Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ von der Gründung 1904 bis zur Schließung 1938 sowie Geschäftsführerin des Verlags „Jüdische Rundschau“.

1933 musste Frankenstein zunächst den Entzug der Approbation erleben. Er durfte fortan nur noch als „Judenbehandler“ tätig sein, betreute jedoch weiterhin, nichtjüdische Patienten, die seine hohe medizinische Qualifikation schätzten. Dr. Frankensteins aufopferungsvolle Erfüllung seiner ärztlichen Pflicht ist in Paul Zechs berühmten Tatsachen-Roman „Deutschland, dein Tänzer ist der Tod“ eingegangen. Ende September 1938 erhielt der Mediziner die fristlose Kündigung seiner Wohnung und Praxisräume, in denen er 40 Jahre lebte und arbeitete. Das Ehepaar Frankenstein musste zur Untermiete in eine ärmliche Wohnung in die Münchner Straße in Schöneberg umziehen.

In allerletzter Minute und mit größter Mühe konnten Frankensteins Kinder, die bereits in Palästina lebten, ihren Eltern die ersehnten Einreise-Zertifikate schicken und Max und Paula Frankenstein emigrierten im Februar 1939 nach Tel Aviv. Da Max Frankenstein bei seiner Ankunft in Palästina kurz vor seinem 65. Geburtstag stand, verzichtete er auf die Eröffnung einer Praxis. Sein ärztlicher Rat war jedoch im Familien- und Freundeskreis stets hoch geschätzt. Er lernte nur wenig Hebräisch, wodurch eine Sprachbarriere entstand. „Dazu kam eine gewisse Scheu und Furcht vor ihm, dem Asket und Pedant preußischer Schule“, wie sein Enkel Ruben Frankenstein sich erinnert. Max Frankenstein nahm täglich eine kalte Dusche, ob Sommer ob Winter, und rechtfertigte es damit, dass „dies einen immun gegen allerhand Krankheiten mache.“

„Besonders stark bleibt bei mir die Erinnerung haften“, so berichtet der Enkel, „wie Großvater die Seder-Zeremonie des Pessach-Festes leitete, am Kopf des Tisches sitzend, die ganze Familie um ihn versammelt.“ Zunächst noch in seiner eigenen Wohnung in der Weislstr. 22, Tel Aviv, später, nach dem Tod seiner Frau, sie starb 1949, bei seiner Tochter. „Es war auch die einzige zeremonielle Handlung des jüdischen Ritus die regelmäßig jedes Jahr und nach festem Muster zelebriert wurde.“ Max Frankenstein starb 1958 in Tel Aviv.

Fotos/Repros: Ruben Frankenstein

Quelle:
Rebecca Schwoch, Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus, Berlin 2009.
Mitteilung von Ruben Frankenstein, März 2012.